Die Alchemie der Spaltung.
Es geht um die Schnittstellen zwischen Identitäten. Ich, Du und das Dazwischen.
Das Mosaik der Fetzen der Souveränität entfaltet sich… Ist das Ergebnis nur Zufall?
„Meine Bilder sind Antwort auf das Leben. Oft trage ich die Dichtung von Rilke bei mir und mische dann die Karten neu. So sind sie immer ein Ausdruck von Verflechtung von Zeit und Raum“. Für Jerry Treit ist Kunst ein Weg und nicht das Ziel. Er malt im Feuer des alltäglichen Gefechts. Aus dem Moment heraus entsteht seine nicht nachahmbare Art von Sinnlichkeit an Handlung und Requisiten. Ein interner Dialog – mit dem Zwischenmenschlichen, den Gesten der Straße, der Liebe, dem Gedränge in der Straßenbahn – alles vermischt sich und schafft den subtilen Hintergrund für Empfindungen eines zarten Wesens Mensch. Das Leben erscheint wie eine Collage der Zufälligkeiten.
„Malen ist ein lautes Aussprechen unserer Verletzlichkeit. Und wenn ich mich in meiner Kunst illusionärer Charaktere bediene, so sind sie auf den ersten Blick nicht mehr als Zeugen von logischen Konstruktionen aus Linie und Farbe, doch tatsächlich Zeichen des Chaos der reellen Welt. Eine Suche nach dem mathematischen Konstrukt der Formel der perfekten Schönheit. Ob sie tatsächlich existiert?“
Alles ist in Bewegung. Dinge, Wunschbilder, Traumfiguren, die eine homogene Existenz erschaffen, getragen von der Groteske und dem globalen Schmerz. Diese Konsistenz ist ein Portrait des Augenblickes, wo alles einer Logik, einer Dynamik zu folgen scheint. Ein Puzzle von Chancen. Es ist wie Musik. Es fließt. Oder so wie ein Flugzeug nie tatsächlich eine Flugrichtung verfolgt, sondern immer dabei ist, den Kurs neu zu justieren.
„Wir tragen Masken, Kleider, Frisuren, Tattoos der Unendlichkeit, doch in unserer Essenz sind wir immer nackt. Ich glaube nicht einmal, dass es jemanden bekümmert als dass er in die Tiefe schaut. Je mehr wir der Außenwelt veräußern, umso weniger bleibt für uns selbst. Meine Kunst ist ein Blick in diesen Abgrund. Dabei suche ich dort nach einer Harmonie. Das Innen und Außen vermengen sich im Chaos des gesellschaftlichen Kontexts. Ich trage neue Haare, Du – neue Flügel an deinen Schultern… Dichotomie nimmt ihren Lauf.
Ich zeichne eine Linie, eine Seele, einen Horizont – doch jedes Mal mit der anderen Hand in den Untiefen der Wahrheit des inneren Seins. Es ist wie ein Baden im Brunnen der Unendlichkeit, ein Fischen nach dem, was das Wasser hergibt. Und immer kommen die beiden Welten auf: die Eine aus dem Klatschmagazin und die Andere, die unsere Zellen zusammenhält. Theater der Kunst. Ein wenig pop, ein wenig schizophrene Poesie. Die Schönheit des Zufalls in der Mixtur so differenter Wirklichkeiten: nur farblich passen sie zusammen. Die Haarfarbe des Moderators und die des Kaffees im Starbucks Café, fein abgeschmeckt mit der Kuschelligkeit neuer Wintersocken und vollendet mit dem Lärm der Abwehrraketen. Ein feiner Rausch namens Leben.“

